der haken am so genannten gesunden menschenverstand, das ist seine neigung zur affirmation des faktischen, die nachgerade schon zum stumpfsinn hintendiert. und zugegeben, es mag ein schillernd’ ding sein, die erfahrung. verlaufe man sich hier aber nicht in erkenntnistheoretische versuche. ein einfaches beispiel, dessen exemplarizität gar nicht schwerer wiegen könnte, das ist die arbeit. hässlich ist sie, eine defizitäre lebensform, die einzig aus der not und armut erwachsen ist, so galt es zumindest noch den vorbürgerlichen zeiten. und welcher maßnahmen hat es nicht bedurft, um disziplin und arbeitsethik heranzuzüchten? ja, ja, vieles ist so viel besser geworden seither, die arbeitsbedingungen und so weiter. aber wo die einen eine zunehmende harmonisierung des menschen mit seiner berufung, seine ‘ganzheitliche’ einbindung in die tretmühle als humanisierung – seien es doch so große worte – der arbeit beschrieben, ist es andern bloß die umfassende mobilisierung der humanressource, die nun mehr kreativität und eigenverantwortung entfalten soll im rahmen flacher hierarchien und mitbestimmung. man sieht sie buchstäblich vor sich, all diese jungen motivierten schönen menschen, die optimistisch von einem job träumen, der ihrer selbstverwirklichung vehikel sein wird.
und es wird zweifelsohne von mal zu mal besser. mit der so genannten ‘wissensgesellschaft’, die allenthalben gehirne mit der vision sauberer informationsarbeit statt schmutziger schufterei verklebt, hat das internet als ihrer technologischen gestalt allseitig die lebensbereiche durchdrungen. waren das noch zeiten als anarchisten der ‘graswurzel-technologie’ direkt-demokratisches potenzial andichteten. wesentlich innovativer als die normativ aufgewärmte suche nach der herrschaftsfreien gesellschaft aber erweist sich die hier gewonnene raum-zeitliche kontrolle. uh, das ist nicht die angst schlechter bürger die da spricht, sondern bezieht sich das auf die organisation der arbeit. all die schlupflöcher, die es je erlauben mögen sich dem regime hier und da zu entziehen, finden sich nun zunehmend verschlossen…
hier mag in vergessenheit geraten sein, dass arbeit dem gesunden menschenverstand doch gar kein solcher fluch ist, sondern einerseits naturnotwendigkeit, andererseits aber vor allem doch etwas das freude macht. gegen derlei erfahrung lässt sich schlecht etwas einwenden. und was heißt es schon zu behaupten dabei sei man immer um das ganze betrogen? was bedeutet der verweis auf den einem immerzu äußerlichen zweck des regimes, die objektive gleichgültigkeit dessen was einem individuell so erfüllend erscheint. eitler anspruch. werd’ erwachsen!
und hier sind sie dann wieder, diese jungen motivierten und schönen menschen, die neben ihrer naiven freude an der arbeit zugleich auch noch wollen, dass die welt ein besserer ort wird. kaufen also bio und fair trade und schließen sich dem carrot mob an. kaum mögen sich die die lebensqualität partiell verbessernden effekte rundweg von der hand weisen lassen. und wer wollte behaupten diese moralischen hedonisten seien nicht sympathischer als die mönchischen konsumkritiker und asketisch lamentierenden moralapostel? und doch ist da so ein widerwille, der sich an die vorstellung knüpft, dass die welt ein bess’rer ort würde, wäre sie erst ein grünes arbeitslager.
Schlagworte: affimation, arbeit, weltverbesserung