materialläuterungen

By hekuba

“… oxytocin vermittelt, was beim autismus und der soziophobie fehlt – nämlich empathie, bindungsfähigkeit und vertrauen [...] menschen, denen man oxytocin [...] verabreicht hatte, waren in verhaltensexperimenten zutraulicher, spendabler und einfühlsamer …”

“… vom verschwinden des menschen am ende der geschichte: [der] glückliche mensch, der animalisch fortlebt, für immer von kriegen, revolutionen und philosophien befreit, für immer hingegeben ans interessenlose spiel, an die liebe und die kunst: … man muss also annehmen, dass nach dem ende der geschichte die menschen ihre bau- und kunstwerke so schaffen, wie die vögel ihre nester bauen oder die spinnen ihre netze weben, dass sie konzerte geben wie die frösche und die grillen …”

wenn heidegger noch zu demonstrieren suchte, wie sein und dasein – die “historische Faktizität, deren pathos die entschlossenheit zur übernahme des eigensten da-seins ist” (Löwith) -, das eine “nackte[s] ‘daß-sein‘”, das andere inhaltlich zunächst vollkommen beliebige, bloß bitte: eine entscheidung! schließlich zum “deutschen dasein”, ist es heute nicht so, dass wir erst wahrhaft eine annäherung an dieses existential, sozusagen es dingfest gemacht erleben? das reine sein des hormons, das sozial verklärt, geformt erst erfahrbar wird, sein geschichtliches, partikulares dasein gewinnt. aber dies sein lässt sich nun unter laborbedingungen isolieren und sollte dann nicht jenseits philosophischer interpretation die welt sich tatsächlich in dem eingangs zitierten sinne (kojèves) verändern lassen? man spare sich hier von a.huxleys verschämten aristokratentum inspirierte einwände. kein gedanke an ein inhaltlich bestimmtes menschliches naturell und derartige lahmheiten. anders als der wirre traum von einer natürlichkeit, der sich als rückbesinnung auszugeben beliebt, stehen wir auf der schwelle sein und bewusstsein (über den umweg einer vorläufigen funktionalisierung unter den gegebenen umständen) zu versöhnen – mit etwas optimismus, zugegeben.

ein durchaus heillos anmutendes glück, das sich da ankündigt unter der merkwürdigen umkehrung des verhältnisses von leib und seele (eine wendung, nebenbei bemerkt, die schon ganz nach verschlafener bürgerlichkeit klingt), von ‘fleisch’ und geist. war letzterer, wenn nicht selbst das universelle, so mindestens doch als dessen ‘vermittlung’ schon daran teilhabend (ganz augustinisch und späterhin dann auch kantisch), während das ‘fleisch’ in seiner endlichkeit eben bloß geschichtlich-irdischer ausdruck gewesen ist. hier nun findet sich der geist wieder als sozial verformte gestaltung physischen reflexes, verweisend auf ein – wie sehr auch immer eine unterstellte normalität zur voraussetzung habendes – in seiner faktizität aber nichts desto weniger ‘objektives’ material. mit dessen läuterung, entbunden aller funktionalen zwecksetzung und jenseits der sehnsüchte nach einer idealisierten authentizität, schließlich das ende der geschichte anzubrechen verspricht.

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