punk’s so damn dead

Oktober 4, 2008 by hekuba

ein paar weitere worte zu einem eigentlich nicht sonderlich interessanten gegenstand.

punk ist nicht politisch. egal was die geschichte sagt, es ist ein irrtum. spätestens zu dem zeitpunkt, wenn jemand von sich gesagt hat punk zu sein und damit teil der bewegung wurde (vorausgesetzt dann auch noch initiiert zu werden) ist der ganze zauber dahin. so wie die christen ein historischer unsinn sind, nachdem es mit dem ende der welt nicht so recht funktioniert hat und anstelle dessen man sich ganz flexibel zur religion erklärte, die ihr untotes dasein unter der bedingung der relativierung der apokalypse in der geschichte fristet, so hat auch punk seinen paulus – etwa die anarchisten. wenn das ganze zu beginn einem schlecht zu integrierenden gefühl von – sagen wir – widerwillen gedient haben mag, so ist die politisierung eine rationalisierung, die im schlimmsten falle tatsächlich das elende prinzip hoffnung einführte und so selbst noch eine rolle darin sich zueignen konnte, den verdammten widerspruch zwischen dem individuum und der ordnung in der es lebt zu harmonisieren zu suchen. man denke nur an die romantischen vorstellungen der zivilisationsflüchter: das ewige punx-picnic in ruinen … zugegeben ist das vermutlich die am wenigsten elaborierte gestalt, die die misere angenommen hat. aber auch da, wo punk plötzlich sich anarchistisch gibt – die provokation mit einem gesellschaftsentwurf verwechselte – ist die erlösungshoffnung kaum wegzudenken. punk ist das übergangsstadium der urbanen jugend auf dem weg zum schließlichen eingehen in die rechte ordung …

materialläuterungen

Mai 29, 2008 by hekuba

“… oxytocin vermittelt, was beim autismus und der soziophobie fehlt – nämlich empathie, bindungsfähigkeit und vertrauen [...] menschen, denen man oxytocin [...] verabreicht hatte, waren in verhaltensexperimenten zutraulicher, spendabler und einfühlsamer …”

“… vom verschwinden des menschen am ende der geschichte: [der] glückliche mensch, der animalisch fortlebt, für immer von kriegen, revolutionen und philosophien befreit, für immer hingegeben ans interessenlose spiel, an die liebe und die kunst: … man muss also annehmen, dass nach dem ende der geschichte die menschen ihre bau- und kunstwerke so schaffen, wie die vögel ihre nester bauen oder die spinnen ihre netze weben, dass sie konzerte geben wie die frösche und die grillen …”

wenn heidegger noch zu demonstrieren suchte, wie sein und dasein – die “historische Faktizität, deren pathos die entschlossenheit zur übernahme des eigensten da-seins ist” (Löwith) -, das eine “nackte[s] ‘daß-sein‘”, das andere inhaltlich zunächst vollkommen beliebige, bloß bitte: eine entscheidung! schließlich zum “deutschen dasein”, ist es heute nicht so, dass wir erst wahrhaft eine annäherung an dieses existential, sozusagen es dingfest gemacht erleben? das reine sein des hormons, das sozial verklärt, geformt erst erfahrbar wird, sein geschichtliches, partikulares dasein gewinnt. aber dies sein lässt sich nun unter laborbedingungen isolieren und sollte dann nicht jenseits philosophischer interpretation die welt sich tatsächlich in dem eingangs zitierten sinne (kojèves) verändern lassen? man spare sich hier von a.huxleys verschämten aristokratentum inspirierte einwände. kein gedanke an ein inhaltlich bestimmtes menschliches naturell und derartige lahmheiten. anders als der wirre traum von einer natürlichkeit, der sich als rückbesinnung auszugeben beliebt, stehen wir auf der schwelle sein und bewusstsein (über den umweg einer vorläufigen funktionalisierung unter den gegebenen umständen) zu versöhnen – mit etwas optimismus, zugegeben.

ein durchaus heillos anmutendes glück, das sich da ankündigt unter der merkwürdigen umkehrung des verhältnisses von leib und seele (eine wendung, nebenbei bemerkt, die schon ganz nach verschlafener bürgerlichkeit klingt), von ‘fleisch’ und geist. war letzterer, wenn nicht selbst das universelle, so mindestens doch als dessen ‘vermittlung’ schon daran teilhabend (ganz augustinisch und späterhin dann auch kantisch), während das ‘fleisch’ in seiner endlichkeit eben bloß geschichtlich-irdischer ausdruck gewesen ist. hier nun findet sich der geist wieder als sozial verformte gestaltung physischen reflexes, verweisend auf ein – wie sehr auch immer eine unterstellte normalität zur voraussetzung habendes – in seiner faktizität aber nichts desto weniger ‘objektives’ material. mit dessen läuterung, entbunden aller funktionalen zwecksetzung und jenseits der sehnsüchte nach einer idealisierten authentizität, schließlich das ende der geschichte anzubrechen verspricht.

domesticate porn!

Mai 25, 2008 by hekuba

warum ziehst du dich auf der bühne aus, bevor meine band spielt? um zu zeigen wie gut du das kannst? nun, in diesem rahmen hast du dich kaum unpopulär gemacht, einzig die freundin des einen oder anderen verschämt interessiert blickenden hardcore-jungen hat sich ihm vielleicht zur versicherung dann harmlos-reizend anheischig gemacht. im allgemeinen aber ist es wohl etwas, daran gefallen zu finden, das man ihnen nachzusehen offenbar bereit ist. man ist nicht prüde. und gut anzusehen bist du, jedenfalls insofern dann auch mein ästhetisches empfinden mindestens anteilig von meiner – wie auch immer sozial durchzogenenen – triebstruktur seine impulse bekommt, unleugbar gewesen. bin mir schließlich unsicher ob solcher impuls mir neben anderen möglichen niedrig erscheinen soll, gerade in zeiten, da das allgemein aufgeklärte bekenntnis zur sinnlichkeit legion ist. reinheit ist dem leben im fleische nicht gegeben und der trieb scheut auch den geistigen stolz nicht, so ist zu lesen und weiter auf die spitze getrieben, sei diese demütigung ins menschliche zugleich doch eine ins animalische “so gott will”. man verschone mich sowohl mit dem mehrwert der sich aus der aufgeklärten überheblichkeit gegenüber der hemmung schlagen lässt (und ist das nicht dieselbe auf anderem niveau, die dem sex intellektuell etwas abzuringen wünscht – eine verwechslung, ein verbrämen, eine domestizierung?), als auch und das um so mehr mit der hässlichen komplizenschaft, der gemeinsamkeit im erlebten aufwallen des triebhaushaltes – männergruppen. so aufregend nun dein dich ausziehen war, so viele abgeschmacktheiten hält die szenerie nichtsdestoweniger bereit: die nachsichtig-bemühten, sich versichernden freundinnen, die domestizierung im ästhetisch-künstlerischen oder öffentlich-politischen als performance, die triebische kumpanei …

Prolog

Mai 25, 2008 by hekuba

Erheben hiermit Anspruch auf eine Stimme im digitalen Universum, eine weitere im gleichgültigen Nebeneinander der Meinungen. Sparen wir hier das psychologisierende Erdeuten der Motive aus. Nicht dass Seelenzerfaserei zu betreiben ein zu verachtendes Geschäft wäre, sondern aus dem einzigen Grunde, dass vorausgesetzt sei, dass es sich um den – wenn auch beruhigend aufgeräumten – schwindlig machenden Blick in den Abgrund handelt. Das jedenfalls insofern all die vermeintlich durch solche Praxis gewonnene Souveränität nicht ein Standpunkt – davon auszugehen selbstredend ein Laienfehler, oder bloßer Dünkel ist – sein kann, sondern zugleich sich selbst in den Abgrund hinabgezogen finden muss. Wir bekennen uns also zum praktischen Partikularismus, als stünde das an sich zur Wahl (Von einem Zeitalter der Neutralisierungen immerhin, und darin dessen Namensgeber unter Missachtung seiner Intention folgend, kann nur als von einem Irrtum die Rede sein). Inhaltlich aber enthalten wir uns aller Programmatik. Indifferenz ist bloß hässlich, prägt sie die Haltung aus falsch verstandener Toleranz oder anderen Formen der falsch verstandener Gutartigkeit.